Interprofessionelle Zusammenarbeit als Konzept hat in verschiedenen Berufs- und Fachbereichen Aufmerksamkeit erlangt. Zunächst tauchte es im Gesundheitswesen als Mittel zur Verbesserung der Dienstleistungsqualität auf (WHO, 2010), bevor es auch in den Bereichen Bildung und Forschung Anerkennung fand (Green & Johnson, 2015; Alberto & Herth, 2009). In der I CO-COPE “Knowledge-Base” wurde dieses Schlüsselkonzept entlang drei Dimensionen erkundet: Ethische Grundlagen und Werteorientierung, rechtliche und bildungspolitische Rahmenbedingungen, Praktische Umsetzung und empirische Befunde (Silveira-Maia et al., 2025).
Dimension ethische Grundlagen und Werteorientierung
Zusammenarbeit wird als eine Form der Interaktion verstanden, bei dem alle Beteiligten den gleichen Status besitzen und sich gemeinsam der Erreichung gemeinsamer Ziele verpflichten (Friend, 2000). Gleichberechtigte, nicht-hierarchische Beziehungen bilden dabei die Grundlage, da alle Teammitglieder wertvolle Perspektiven und Kompetenzen einbringen (Kampwirth, 2006). Ethische Prinzipien sind ein zentrales Element der interprofessionellen Zusammenarbeit im Kontext inklusiver Bildung. Sie betonen den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen zwischen Fachkräften unterschiedlicher Professionen auf der Grundlage gegenseitigen Respekts, die aktive Einbeziehung der Lernenden und ihrer Familie sowie die Zusammenarbeit mit außerschul8ischen Einrichtungen, um den vielfältigen Bedarfen von Schüler:innen gerecht zu werden. Ein gemeinsamer Leitgedanke besteht darin, das Wohl der Lernenden in den Mittelpunkt zu stellen. Ziel ist es, bestmögliche Lern- und Entwicklungsergebnisse zu erreichen und dabei die Würde, die kulturelle Identität und den individuellen Hintergrund jeder Schülerin und jedes Schülers zu achten.
Dimension rechtliche und bildungspolitische Rahmenbedingungen
Die bildungspolitischen Strategien der I CO-COPE Partnerländer heben die interprofessionelle Zusammenarbeit als eine (kosten)effiziente Möglichkeit hervor, verschiedene Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche im schulischen Umfeld miteinander zu verknüpfen (Silveira-Maia et al., 2025). Da Schüler:innen einen großen Teil ihres Tages in der Schule verbringen, eignen sich Schulen in besonderer Weise als Orte zur Förderung von Gesundheit, Entwicklung und Bildung (Mellin, 2009; Porter et al., 2000).
Paulsrud und Nilholm (2020) betrachten die interprofessionelle Zusammenarbeit als eine organisatorische Voraussetzung für inklusive Bildung. Sie erfordert gemeinsame Entscheidungsprozesse und die Einbindung des gesamten schulischen Personals, um Schulen erfolgreich zu inklusiven Lern- und Lebensorten weiterzuentwickeln. Darüber hinaus wird interprofessionelle Zusammenarbeit als Weg verstanden, innovative Lösungen für komplexe Herausforderungen im Bildungsbereich zu entwickeln.
Dimension praktische Umsetzung und empirische Befunde
Eine wirksame interprofessionelle Zusammenarbeit erfordert eine enge Vernetzung zwischen Fachkräften und Organisationen. Die Arbeitsweisen und Fachwissen werden wechselseitig ausgetauscht und miteinander verknüpft. Dabei entsteht ein gemeinsamer Lernprozess, in dem die Beteiligten voneinander und miteinander lernen. Konzepte werden gemeinsam entwickelt und ganzheitlich umgesetzt, während die Zusammenarbeit über die Grenzen einzelner Professionen hinweg erfolgt. Ziele werden gemeinsam festgelegt und mögliche Lösungen für komplexe Herausforderungen gemeinsam erarbeitet. Im Mittelpunkt stehen dabei stets die Förderung, Entwicklung das Wohlbefinden aller Lernenden (De Bruïne & Gerdes, 2018).
Paulsrud und Nilholm (2020) betonen darüber hinaus die Bedeutung von Gruppenzugehörigkeit und der aktiven Teilnahme an gemeinsamen Lernprozessen. Kollegiale Beratung und interprofessioneller Austausch fördern den fachlichen Dialog sowie das gegenseitige Teilen von Expertise. Dadurch entstehen innovative Unterrichts- und Förderansätze, die Schüler:innen in inklusiven Bildungssettings zugutekommen.
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Quellen
Alberto, J., & Herth, K. (2009). Interprofessional Collaboration within Faculty Roles: Teaching, Service, and Research. OJIN: The Online Journal of Issues in Nursing. https://doi.org/10.3912/OJIN.Vol14No02PPT02
Borg, E. & Drange, I. (2019). Interprofessional collaboration at school. Effects on teaching and learning. Improving schools, 22(3), 251-266. https://doi.org/10.1177/1365480219864812
De BruÏne, E., & Gerdes, J. (2018). Naar de andere oever. Tijdschrift voor Orthopedagogiek, 9-10. https://www.tijdschriftvoororthopedagogiek.nl/110-1137_h1-Naar-de-andere-oever-h1
Friend, M. (2000). Myths and Misunderstandings About Professional Collaboration. Remedial and Special Education, 21(3), 130-160. https://doi.org/10.1177/074193250002100301
Green, B. N., & Johnson, C. D. (2015). Interprofessional collaboration in research, education, and clinical practice: working together for a better future. The Journal of chiropractic education, 29(1), 1–10. https://doi.org/10.7899/JCE-14-36
Kampwirth, T. J. (2006) Collaborative Consultation in the Schools: Effective Practices for Students with Learning and Behavior Problems (3rd ed). Merrill.
Mellin, E. A. (2009). Unpacking Interdisciplinary Collaboration in Expanded School Mental Health: A Conceptual Model for Developing the Evidence Base. Advances in School Mental Health Promotion, 2(3), 4–14. https://doi.org/10.1080/1754730X.2009.9715706
Paulsrud, D., & Nilholm, C. (2020). Teaching for inclusion – a review of research on the cooperation between regular teachers and special educators in the work with students in need of special support. International Journal of Inclusive Education, 27(4), 541–555. https://doi.org/10.1080/13603116.2020.1846799
Porter, G., Epp, L., & Bryan, S. (2000). Collaboration among school mental health professionals: A necessity, not a luxury. Professional School Counseling, 3(5), 315.
Silveira-Maia, M., Neto, C., Sanches-Ferreira, M., Alves, S., Durães, H., Breyer, C., Vandenbussche, E., Boonen, H., Zacharová, Z., Ferková, Š., Schukoff, P., Unterreiner, S., & Teijsen, E. (2025). Mapping CoP for inclusion: a Knowledge Base. Instituto Politécnico do Porto. https://doi.org/10.26537/e.ipp.136
WHO (2010). Framework for action on interprofessional education and collaborative practice. Health Professions Network Nursing and Midwifery Office within the World Health Organisation Department of Human Resources for Health. https://www.who.int/publications/i/item/framework-for-action-on-interprofessional-education-collaborative-practice
